Framing: Wenn der Rahmen das Bild schreddert

Framing – eine Technik für Texter

Böses Eigentor der ARD. Das umstrittene »Framing Manual« erhitzt Gemüter. Was Framing bedeutet, welche Arten von Framing es gibt, ein Reflex auf NLP – und wie Sie damit keinen Shitstorm ernten, sondern Anklang finden.

Ich weiß nicht, was Sie denken. Ich weiß in etwa, wie Sie denken: nämlich in Worten – und niemals zwei Gedanken gleichzeitig. Wie wir unsere Umwelt wahrnehmen? Interpretation. Reine Ansichtssache, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Der grelle Fruchtzwerg „wertvoll wie ein kleines Steak“ oder ein zuckeriger Milch-Mansch? Sie entscheiden, welchen Rahmen Sie verbal (er)setzen.

Framing: Welcher Rahmen darf es sein?

Spielen Sie Pétanque? »Carreau sur place« bezeichnet einen meisterhaften Wurf beim Boulen, wobei die Kugel eine andere exakt verdrängt. Übertragen Sie das Bild doch einmal auf Ihr Innenleben oder Kommunikationsverhalten; auf Ihre „herrschenden“ Gedanken und die Frage, in welche Wörter Sie diese kleiden.

Verbales Reframing

„Ich bin nicht 10.000 Mal gescheitert. Ich habe erfolgreich 10.000 Varianten entdeckt, die nicht funktionierten.“ Thomas Alva Edison

Beim verbalen Reframing wird ein negativ konnotiertes Ereignis umgedeutet. Als Bezugsgrößen kommen Inhalt und Kontext infrage.

Inhalts-Reframing

Dem Gegenstand wird eine neue inhaltliche Bedeutung beigemessen. Ein Beispiel aus der Werbung: Duplo – die längste Praline der Welt.

Kontext-Reframing

Hemden zu bügeln oder Fenster zu putzen mag Ihnen verdrießlich erscheinen. Oder sehen Sie darin die kleine Schwester der Meditation? Die Tätigkeit bleibt gleich, allein der Interpretationsrahmen wechselt.

Ein-Wort-Reframing

Ich denke, also bin ich – wahlweise „besorgt“ (Negativformel) oder „interessiert“ (Postivformel)? „Interessiert“ (Postivformel) oder „begeistert“ (Powerformel)? Objektive Wahrheit existiert nicht. In der Sprache liegt die Kraft.

Exkurs: NLP und Framing

NLP – Neurolinguistisches Programmieren – ist „eine Methode, sich eigene oder fremde Wahrnehmungs- und Ausdrucksweisen sowie automatische Denk- und Verhaltensmuster bewusst zu machen“¹. Sie dient der Persönlichkeitsentwicklung wie auch der Kommunikationsverbesserung.² Man kann nicht nicht kommunizieren (Paul Watzlawick) – allerdings mehr oder weniger wirkungsvoll.

ARD: Wenn Framing zur Farce wird

Einen veritablen Shitstorm hat die ARD entfacht. Stein des Anstoßes: ein sogenanntes »Framing Manual«. „Wie kann es sein“, fragt Norbert Frei in der SZ, „dass ausgerechnet ein journalistisches Großsystem namens ARD in jener Wirklichkeit, die sie uns doch möglichst differenziert und unverstellt nahebringen soll, nicht mehr ohne manipulative ‚Rahmung‘ seines Tuns und Lassens glaubt auskommen zu können?“ Eine berechtigte Frage. Worte werden geprägt, die nach George Orwell klingen, führt Harald Martenstein im Tagesspiegel aus.

Wenn der Rahmen das Bild schreddert

„Das menschliche Gehirn sucht stets nach einem Rahmen, der auch eine Deutung ermöglicht“, rechtfertigt sich der Sender. „Das geschieht immer und überall, da unser Kopf Sprache nur in Bildern erfassen kann. Ein Rahmen ohne Bild bleibt hingegen nur ein leerer Rahmen.“ So weit, so klar. Und weiter: Fakten, inhaltliche Argumente stünden stets im Vordergrund. „Überzeugen müssen und wollen wir mit unserem Angebot für alle.“ Nun ja, manch Rahmen schreddert auch das Bild.

¹ Armin Reins: »Corporate Language«; Verlag Hermann Schmidt Mainz 2006, S. 118.
² Vgl. Aljoscha Long, Ronald Schweppe: »Praxisbuch NLP«, Südwest Verlag 2016.

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